Kartierung




Geographisches Referenzraster von KoRoSu sind die modernen Gemeindegebiete. Die entsprechenden georeferenzierten Polygone stammen für die EU und die Schweiz von der Statistikbehörde der Europäischen Union (Eurostat), für England und Wales vom Office for National Statistics (ONS) und für Schottland von Spatialdata.Gov.Scot Metadata Portal, Scottish Government and Astun Technology.

Die Flächen der Gemeinden wurden den folgenden für das Projekt relevanten Zonen zugeordnet:

  • Die Romania submersa ist das Gebiet, in dem einst Latein oder, später, eine romanische Sprache gesprochen wurde, die schließlich jedoch von einer anderen, z. B. germanischen Sprache verdrängt wurde.
  • In der Romania wird bis heute eine romanische Sprache gesprochen.
  • Jenseits der Grenze des römischen Reichs, die im Untersuchungsgebiet vergleichsweise klar durch den Verlauf von Grenzanlagen oder Flussläufen markiert war, wurde niemals eine romanische Sprache gesprochen. 

Die Abgrenzung der genannten Gebiete gegeneinander ist regional unterschiedlich schwerer oder leichter durchführbar. Vergleichsweise einfach ist die Abgrenzung der Romania submersa gegen die nicht-römischen Gebiete. Die entsprechende Grenze folgt im wesentlichen dem Verlauf des römisch-germanischen Limes. Dieser folgte von der Mündung des Rheinarmes Lek in die Nordsee dem Rhein flussaufwärts bis ungefähr auf die Höhe von Rheinbrohl südlich von Bonn und verlief anschließend durch die Mittelgebirge bis zum Taunus. Nach der Umfassung der Wetterau in Richtung Süden bis auf die Höhe von Schwäbisch Gmünd und von dort in Richtung Osten verlaufend erreichte der Limes etwas südwestlich des Klosters Weltenburg die Donau. Ab dort bildete die Donau die Grenze zwischen dem römischen Reich und der Germania magna.

Der beschriebene Verlauf des Limes wird modern in vier Abschnitte gegliedert: Von der Nordsee bis Rheinbrohl spricht man vom niedergermanischen Limes, von dort bis zum Erreichen der Donau vom obergermanischen Limes. Der der Donau folgende Abschnitt des Limes bis zur Landesgrenze bei Passau wird als rätischer Donaulimes bezeichnet, von Passau bis hinein nach Ungarn spricht man vom norisch-pannonischen Limes.

Die Zuordnung der modernen Gemeindegebiete zur Romania submersa oder den Gebieten außerhalb des römischen Reichs orientierte sich am skizzierten Verlauf des Limes. In den Fällen, in denen ein modernes Gemeindegebiet sich beidseits des Limes erstreckt, wurde den entsprechenden Gemeindegebieten ein Sonderstatus zugewiesen. Dieses Szenario begegnet im Bereich des obergermanischen Limes etwas häufiger als dort, wo der LImes den Läufen von Rhein und Donau folgt.

Der georeferenzierte Verlauf des Limes wurde im Bereich des obergermanischen Limes manuell (mit dem Programm QGIS) durchgeführt. Als Referenz diente der Rasterlayer des Digital Atlas of the Roman Empire (DARE; <https://imperium.ahlfeldt.se/>, XYZ-Kacheln: <https://dh.gu.se/tiles/imperium/{z}/{x}/{y}.png>). Die Geodaten des Verlaufs der Flüsse Rhein und Donau wurde von Natural Earth übernommen (<https://www.naturalearthdata.com/downloads/10m-physical-vectors/10m-rivers-lake-centerlines/> [download am 2025-05-13; LIzenz: Public Domain]).

Die Abgrenzung des Untersuchungsgebiets der nicht-römischen Seite der Reichsgrenze Seite erfolgte primär intuitiv. Ziel war die Definition eines mindestens 100 Kilometer breiten Streifens parallel zur Reichsgrenze. Ausgespart wurden die slawischen Gebiete, also das Staatsgebiet des heutigen Tschechiens, wodurch sich im Abschnitt zwischen Regensburg und der österreichisch-ungarischen Staatsgrenze ein etwas schmalerer Streifen des Untersuchungsgebiets im Bereich der Germania ergibt.

Auf der britischen Insel markiert der Wall des Antoninus Pius (errichtet 140 n. Chr., gegen Ende des 2. Jhs. aufgegeben, Anfang des 3. Jhs. noch einmal kurzfristig belegt) die Grenze der Romania submersa. Das Gebiet nördlich davon wurde in der Antike von zwei unterschiedlichen Völkern oder Volksgruppen besiedelt: Während es sich bei den Scoten um vermutlich aus Irland eingewanderte Kelten handelt, ist die ethnische Zuordnung der Picten nicht zweifelsfrei möglich; um Kelten scheint es sich mit einiger Sicherheit nicht gehandelt zu haben. KoRoSu verwendet für die Region nördlich des Antoninus-Walls die Bezeichnung "Scotia und Caledonia".

KoRoSu-Untersuchungsgebiet (Romania submersa inklusiver angrenzender romanisch- und germanischsprachiger Gebiete; Datenquelle der Polygone: EUROSTAT [letzter Zugriff: 12.06.2025], CC BY 4.0 2025)

 Moderne und antike Toponyme (Kontinuitätskategorie 1)

Moderne Toponyme, die sich auf lateinsche/romanische Appellative zurückführen lassen

Lage von villae rusticae. Datenquelle: vici.org (René Voorburg; download am 11.06.2025. Der Suchstring lautete "villa").

Lage der auf der Tabula Peutingeriana verzeichneten Ortschaften. Orte mit Namenskontinuität sind rot, solche ohne blau, fragliche grau und (noch) nicht klassifizierte schwarz markiert. Datenquelle: http://omnesviae.org/ (René Voorburg), Autoren.

 Fundorte lateinischer Inschriften. Die Anzahl der an einem Ort gefundenen lateinischen Inschriften kann als unmittelbarer Indikator der Intensität der Romanisierung gelten.

Bibliographie

  • EDCS = Clauss, Manfred / Kolb, Anne / Slaby, Wolfgang A. / Woitas, Barbara (Hrsgg.) (o. J.): Epigraphik-Datenbank Clauss / Slaby, Eichstätt, Zürich [Anfänge in den 1980er Jahren. Sämtliche bekannte lateinische Inschriften, seit 2021 Erfassung auch griechischer Inschriften, "zunächst vor allem aus den Westprovinzen des Imperium Romanum"] (Link).

13 Kommentare zu „Kartierung

    1. Stephan Lücke Beitragsautor

      Die im Moment kartierten Daten stammen von vici.org. Sie liegen in der Tabelle „vici_villa“. Hier der Kommentar der Tabelle (in der Datenbank): Daten importiert aus CSV-File, das aus KML-File mit Hilfe von QGIS erzeugt wurde. KML-File heruntergeladen von vici.org am 2022-12-16 (suche nach „villa“) – Ich habe also damals einfach nach dem Stichwort villa gesucht. Sind insgesamt 5243 Datensätze. Manche erscheinen mir zweifelhaft. Muss man nochmal genau durchschauen, evtl. auch noch einmal aus vici.org exportieren und dabei sich genauer mit dem Suchfilter beschäftigen.

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      1. Thomas Krefeld

        unter den Treffern zu ‚villa‘ sind einige Museen, ohne direkte Bodenfunde (scheint mir), z.B. „4938Rijksmuseum van Oudheden; Zeer uitgebreide collectie met Romeinse voorwerpen.“ = https://vici.org/vici/4355/ , die muesste man doch aussortieren, oder?

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        1. Stephan Lücke Beitragsautor

          in der Tat. Ich frage mich, wie die in das Suchergebnis reingekommen sind. Die nachfolgende Abfrage filtert die Museen aus der Tabelle der villae rusticae. Diese Datensätze würde ich einfach löschen:

          SELECT a.id_villa, a.`Name`, a.`description` FROM vici_villa a
          WHERE (a.`Name` LIKE ‚%mus%‘ OR a.`description` LIKE ‚%mus%‘)
          AND a.id_villa NOT IN (3882,6639,6936,11241,11328,13008,14679,14946,15102,14958,16143,16167)
          ;

          Die IDs in der dritten Zeile gehören zu Einträgen, die „domus“ enthalten (-> suchstring %mus%) und zumindest teilweise als villa (rustica) zu interpretieren sind. Manchmal handelt es sich aber auch um villae urbanae. Letztere habe ich, sofern eindeutig, aber schon rausgefilert. In Zweifelsfällen habe ich sie drin gelassen.

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  1. Thomas Krefeld

    zu Karte 1:
    – aus welcher Quelle stammt der Limes-Verlauf?
    – Sonderstatus: vllt sollte man das Wallis und Graubünden herausnehmen und teils der Romania, teils der Germania nach aktuellem Sprachstand zuweisen (dazu muesste man auf die Ebene der Gemeinden gehen) – dann waere der Rest germanische Dialekte unter romanischer Dach-/Staatssprache, die teils die Dialekte verdrängt (hat), besonders in Lothringen; das ist eine Form der Reromanisierung

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    1. Stephan Lücke Beitragsautor

      Verlauf des Obergermanischen Limes manuell georefernziert auf Basis des „Digital Atlas of the Roman Empire (DARE)“ (https://dh.gu.se/tiles/imperium/{z}/{x}/{y}.png).

      Ich habe jetzt die Gemeindegebiete als Referenzraster implementiert. Auf diese Weise können wir sehr fein differenzieren. Die Abgrenzung Germania/RomSub ist jetzt fertig. Ein Blick? Als nächstes kommt die Abgrenzung RomSub/Romania. Wie gesagt, wir können das sehr fein granulieren. Im Einzelfall muss man wohl diskutieren.

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      1. Thomas Krefeld

        das ist jetzt viel besser, danke sehr! der Legendtext zu ‚Sonderstatus‘ ist immer noch etwas ungenau: 1.Ein Gebiet wurde reromanisiert. Dies trifft im Wesentlichen auf das Elsass und weite Teile Lothringens zu; hier wurden die deutschen Dialekte durch die französische überdacht und auch verdrängt. 2. Ein kontinuierlich romanischsprachiges Gebiet war lange durch die deutsche Hochsprache überdacht, bevor es unter eine eng verwandte romanische Dachsprache kam; das gilt für die ehemals österreichischen Gebiete in Norditalien. 3. ….“

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        1. Stephan Lücke Beitragsautor

          Was meinst Du mit „… bevor es unter eine eng verwandte romanische Dachsprache kam“? Eng verwandt womit?
          „2. Durch ein Gebiet verläuft aktuell die germanisch-romanische Sprachgrenze. Als Beispiel wären der schweizer Kanton Wallis oder die italienische Region Südtirol/Alto Adige zu nennen.“ entfällt jetzt, da das Referenzraster auf Gemeindeflächen umgestellt ist. Freilich gibt es auch Gemeinden mit ausgeprägter Zweisprachigkeit. Wie können solche Gemeinden identifiziert werden, ab welchem prozentualen Verhältnis zwischen Sprechern der einen und solchen der anderen Sprache klassifiziert man Gemeinden als zweisprachig?

          Werden alle Gemeinden in Lothringen und im Elsass als „reromanisiert“ im o.g. genannten Sinn verstanden? Wie können die ehem. österreichischen Gebiete in Oberitalien definiert werden?

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          1. Thomas Krefeld

            z.B. Ladinisch gerät nach dem 1. Weltkrieg unter das Dach der italienischen Staatssprache; meines Wissens ist nur Fribourg offiziell zweisprachige Gemeinde

  2. Stephan Lücke Beitragsautor

    Fribourg ist jetzt mit „Sonderstatus“ versehen. Wie ist es mit den Gemeinden in Graubünden?

    -> SELECT `GISCO_ID`, `CNTR_CODE`, `LAU_ID`, `LAU_NAME`, `center`, `NUTS_ID`, `korosu`, `sprachstatus` FROM `korosu`.`eu_lau2` WHERE korosu = ‚1‘ AND cntr_code LIKE ‚CH‘ AND nuts_id LIKE ‚CH05%‘ AND sprachstatus LIKE ‚Sonderstatus‘;

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